{"id":780,"date":"2016-10-16T14:52:48","date_gmt":"2016-10-16T14:52:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theaternetz.jpbw.de\/?p=780"},"modified":"2016-10-16T14:52:48","modified_gmt":"2016-10-16T14:52:48","slug":"terror","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jpbw.de\/theaternetzarchiv\/2016\/10\/16\/terror\/","title":{"rendered":"Terror"},"content":{"rendered":"<p>Wie entscheidest du?\u201c, lauten die Worte auf dem Programmheft des von Ferdinand von Schirach geschriebenen und von Axel Vornam inszenierten St\u00fcckes \u201eTerror\u201c. Dieses verspricht, ein spannendes Gerichtsdrama zu sein, welches am Ende den Zuschauer selbst auffordert, das Urteil zu f\u00e4llen. Das l\u00e4sst man uns im Verlauf des St\u00fcckes auf gar keinen Fall vergessen, da es an jeder gelegenen Stelle erw\u00e4hnt wird. Der \u201eAngeklagte\u201c welchem an diesem Abend auf der B\u00fchne der Prozess gemacht wird, ist Lars Koch, ein Bundeswehr-Major, welcher ein entf\u00fchrtes Flugzeug abschoss und 164 Menschen an Bord t\u00f6tete um zu verhindern, dass dieses Flugzeug in eine volle Allianz-Arena mit 70 000 Menschen st\u00fcrzen w\u00fcrde. Ob er nun des 164-fachen Mordes verurteilt wird oder nicht, ist der Diskussionsstoff des Abends. Die Kulisse strahlt mit ihren vier Tischen und schlichtem Stil die Professionalit\u00e4t eines Gerichtssaals aus, weist aber auch mit einem an Gef\u00e4ngnisgittern erinnernden Ger\u00fcst subtil auf die drohenden Konsequenzen hin. Als etwas anderes anstatt der einen Ebene des Gerichtssaals wird die B\u00fchne nie genutzt, da man sich, wie es zu Beginn des St\u00fcckes hei\u00dft, der im Gericht liegenden Theatralik bedienen m\u00f6chte. Leider f\u00e4llt durch diese, zugegeben realistische, Entscheidung das St\u00fcck statisch und unbewegt aus. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Handlung spielt sich am Zeugenstand ab. Die Gesichter der Aussagenden werden an die Kulissenwand projiziert, um die Mimik der Schauspieler zur Geltung kommen zu lassen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dieses Mittel um die Emotionen der Figuren noch besser auf den Zuschauer wirken zu lassen, wird von den Darstellern jedoch kaum wahrgenommen. Am besten schafft es die Figur des Milit\u00e4roffiziers und Zeugen Christian Lauterbach (verk\u00f6rpert von Sebastian Kreutz), die Gef\u00fchlslage seiner Figur schl\u00fcssig, echt und sogar mit etwas angebrachtem Witz darzustellen. Die anderen Akteure wirken daneben eher mechanisch als menschlich und Gef\u00fchle weichen langen, rechtsphilosophischen Monologen, welche einzig und allein dazu gedacht sind, dem Zuschauer eine m\u00f6gliche Meinung vorzulegen, anstatt die Handlung voranzutreiben. Eher vermitteln sie das Gef\u00fchl einer Vorlesung als das eines Schauspiels. Besonders die beiden Anw\u00e4lte scheinen die Rolle der Prediger zu f\u00fcllen, welches dem St\u00fcck in Sachen Spannung wenig zu Nutzen kommt. Diese Langatmigkeit gepaart mit einer Auff\u00fchrungsdauer von 2 \u00be Stunden, verlangt von dem Zuschauer einiges an Sitzfleisch, welches am Ende, wenn die laut verk\u00fcndete Zuschauerentscheidung kommt, kaum belohnt wird, da diese keinerlei Konsequenzen mit sich zieht. Die Thematik des Terrors und die Art wie sich ein Rechtsstaat im Angesicht dessen zu verhalten hat, ist wegen der Art und dem Aufbau des St\u00fcckes sehr einfach zu erkennen und es wird ausreichend Zeit an beiden Seiten der Diskussion verbracht, um Gespr\u00e4chsstoff zu generieren, ist aber auch nicht tiefergreifender als das. Genau derselbe Stoff d\u00fcrfte vielen schon aus dem Schulunterricht bekannt vorkommen. Neue Argumentationspunkte oder Blickwinkel auf das Thema bietet das St\u00fcck selten. In der Aussage von Lars Koch selbst finden sich Meinungen die etwas weiteren Stoff zur Anregung geben, wie zum Beispiel die Hilflosigkeit des Staates in einer Terrorsituation, welche dann doch noch dazu verleiten sich nach dem St\u00fcck weiter damit auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Der gewagte Versuch Gericht und Theater erfolgreich zusammenzuf\u00fchren scheitert haupts\u00e4chlich daran, dramatische Elemente, das Fiktive und das innenwohnende Abstrakte am Theater mit dem logischen Realismus einer Gerichtsverhandlung zu vereinbaren. So wie sich Elemente des Theaters wie Komik oder Exposition f\u00fcr den Zuschauer in einer Gerichtsverhandlung fehl am Platz und \u00fcberzogen anf\u00fchlen, so zeigen sich auch die Elemente des Gerichts, zum Beispiel die Unbeweglichkeit der Darsteller und die Einseitigkeit der B\u00fchne als schlichter Raum, im Theater als fremd und unangenehm. Die Ans\u00e4tze sind da, aber \u201eTerror\u201c schafft nicht ganz den Sprung von Gerichtsverhandlung zu Theaterst\u00fcck und bleibt trotz einigen guten Ans\u00e4tzen in einer unangenehmen Mischung der beiden, halbwegs zwischen Schuld und Unschuld liegen.<\/p>\n<p><em>Text: Jan Schneider <\/em><\/p>\n<p><em>Bildrechte: Theater Heilbronn<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie entscheidest du?\u201c, lauten die Worte auf dem Programmheft des von Ferdinand von Schirach geschriebenen und von Axel Vornam inszenierten St\u00fcckes \u201eTerror\u201c. Dieses verspricht, ein spannendes Gerichtsdrama zu sein, welches am Ende den Zuschauer selbst auffordert, das Urteil zu f\u00e4llen. 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